Mai 30

Warten

Bis ich dem Kupferkind ins Gesicht sehen konnte vergingen natürlich einige Monate. Die Wartezeit verkürzte ich mir im fünften Monat mit einem Nierenstau. Der war nur kurz schmerzhaft, hat mir aber eine Krankschreibung für den Rest der Schwangerschaft beschert. Das war auch gut so. Denn während mein damaliger Chef auf meine Schwangerschaft zunächst mit: “Das schaffen wir schon, wir haben dich doch alle lieb.” (O-Ton) reagierte, hatte ich zwei Tage später eine Abmahnung auf dem Tisch. Jau, waren die Fronten schon mal geklärt. Ich hab den Laden nie wieder gesehen.
Weiter bekam ich, oh Wunder, auch noch einen MS-Schub. Ist in der Schwangerschaft nicht ganz so häufig, kommt aber vor. Zunächst ging ich aber nicht zum Neurologen, da ich Baby und Kortison gedanklich nicht vereinbaren konnte. Schlau gemacht habe ich mich aber damals auch nicht. Das hat dann die Ärztin übernommen, die die ersten Doppler-Aufnahmen vom Kupferkind machte. Ich kann Euch sagen: sie hatte schon im Mutterleib irre lange Beine! Alles war gut, Nackenfaltenmessung im grünen Bereich und auch sonst nichts Auffälliges. Und ich erfuhr das Geschlecht: ein Mädchen, ein Mädchen! *singsingträllerfreu*
Die Ärztin setzte sich mit dem Institut für Embryonaltoxolgie in Berlin in Verbindung, und teilte mir mit, dass auch in der Schwangerschaft nichts gegen bis zu
7×1000 mg Kortison einzuwenden ist. Ich hab mir 3×500 mg geben lassen. Meine Beschwerden waren nicht mehr Kortison wert, fand ich.
Das Kortison bewirkt beim Embryo eine schnellere Lungenreife. Das sollte sich für das Kupferkind noch auszahlen!
Die weiter Schwangerschaft verlief unspektakulär. Abgesehn davon, dass ich in der 29ten Woche mit Verdacht auf Schwangerschaftsvergiftung kurz im Krankenhaus war. Hat sich aber glücklicherweise nicht bestätigt. Aber die 29te Woche wird noch mal wichtig!
In der 36sten Woche war ich zur Kontrolle bei meinem Gynäkologen. Der machte einen Ultraschall und maß die Länge des Oberschenkelknochens.
Der Computer spucke die dazu passende Lebenswoche des Babys aus: 29.
Da hab ich mich gewundert und nachgefragt. Der Arzt antwortete: “Das Kind hat halt kurze Beine, das wächst sich aus.”
Wir erinnern uns an die Doppler-Aufnahmen?! Nun, ER war der Arzt. Damals habe ich Ärzten noch recht blind vertraut.
Nach diesem Termin war ich mit einer Freundin am Rhein spazieren. Das Kupferkind bewegte sich nicht, hat mir etwas Angst gemacht, aber ich war ja gerade erst beim Gynäkologen gewesen … um Mitternacht setzten die Wehen ein.


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Verfasst 30. Mai 2015 von yennyver Kategorie Multiple Sklerose

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