Mai 30

Ach du bist das!

Als die Wehen einsetzten habe ich erst mal meine Eltern angerufen. Waren ja meine ersten Wehen, und woher weiss man denn so genau, dass es jetzt los geht?!
Wir vereinbarten, dass ich vorsichtshalber ins Krankenhaus fahre (keine 5 Minuten entfernt). Also rief ich mir ein Taxi und trug die gepackte Tasche zwei Stockwerke runter. Auf die Idee, den Taxifahrer um Hilfe zu bitten bin ich nicht gekommen. So um halb zwei, im Krankenhaus angekommen, schloss man mich gleich an dieses “Wehen-mess-Ding” an … Wehenschreiber, jetzt hab ichs. Es waren Wehen. Definitiv. Von einer ist mir dermaßen schlecht geworden … aber nur von der einen.
Der Rest ging. Muttermund war auch schon fast soweit. Um 4 Uhr morgens habe ich mich offiziell im Krankenhaus angemeldet, um halb fünf kamen meine Eltern. Dann hat man einen Ultraschall gemacht. Warum weiß ich gar nicht mehr. Weil die Herztöne wegblieben? Oder hat man das erst danach festgestellt. Ich bin mir nicht sicher. Bei diesem Ultraschall waren auch meine Eltern anwesend. Da habe ich den Arzt etwas gefragt. Und zwar: “Kann man es sehen, falls sich die Nabelschnur um den Hals gewickelt hat?” Meine Frage beruhte auf der Geburtsgeschichte meiner Schwester, der nämlich im Mutterleib genau das passiert war, und sie blau angelaufen per Kaiserschnitt zur Welt kam. Die Antwort des arroganten inkompetenten Halbgotts in Weiß Arztes lautete: “Wenn ich mir die Mühe machen würde danach zu suchen, schon.” Hat er aber nicht getan. Einen Kaiserschnitt wegen aussetzender Herztöne gabs auch nicht. Statt dessen wurde erst mit der Glocke, dann mit der Zange versucht an das Kupferkind zu kommen. Mit letzterem hat es dann auch geklappt. Um 6.32 Uhr. Die Nabelschnur 4x um den Hals gewickelt.
Mit Knoten!
Schnell wurde die abgewickelt. Mein Baby war lila (ich hatte keine Brille auf) und machte “kräh”. Nach kurzer Inspektion hat man mir das Kupferkind einen Augenblick lang auf die Brust gelegt, und ich sagte “Ach du bist das.” zu ihr (ich war auch schon mal intelligenter bei spontanen Ausrufen, aber in diesem besonderen Moment war das alles, was ich sagen konnte). Das Kupferkind sah mir in die Augen, legte die Stirn in Falten und war ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten!
Dann hat man sie mir auch schon wieder weggenommen und auf die Kinder-Intensivstation gebracht. Sie war nämlich viel zu klein (44 cm) und leicht (2060 Gramm), unterkühlt und hatte zu wenig Thrombozyten im Blut. Muss irgendeine Infektion im Mutterleib erlitten haben. Man hat nie rausgefunden welche. Rückblickend war sie seit der 29ten Woche nicht mehr gewachsen.
Sie wurde in ein Wärmebettchen gelegt, hatte eine Magensonde in der Nase und eine Kanüle im Kopf (das soll weniger schmerzhaft sein, als es aussieht). Schon am nächsten Tag hat man die Sonde entfernt, und ich konnte sie mit der Flasche füttern. Und sie hat vielleicht getrunken! Und nie (!) gespuckt. Kein Wunder, immerhin wäre sie im Mutterleib fast verhungert! Was sie trank blieb drin. Und sie nahm zu. Nicht ein Gramm hat sie nach der Geburt abgenommen. Als acht Tage später die Thrombozytenzahl auf den Normalwert angestiegen war konnte ich das Kupferkind mit nach Hause nehmen.


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Verfasst 30. Mai 2015 von yennyver Kategorie Uncategorized

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