Mai 29

Glück gehabt

Die MRT-Untersuchung war an einem Dienstag. Kopfschmerzen-der-Hölle-Dienstag. Eigentlich wollte ich nur liegen, habe es mir aber nicht nehmen lassen, nach der Untersuchung ein Armband zu Ehren meiner ersten MRT zu kaufen. Leider weiss ich heute nicht mehr wo es geblieben ist. Fällt mir gerade auf. Wie dem auch sei, ich habe es auch in der Zukunft immer so gehalten: nach der MRT kaufe ich mir etwas Schönes. In der letzten Zeit war das immer hochwertige Kosmetik aus der Parfümerie und mindestens ein Buch. Das muss einfach sein. Für die Seele.
Zurück zum MRT. Die Aufnahmen wurden gleich besprochen. Leider kein Tumor der Stufe 1. Damals habe ich geglaubt, den könnte man einfach raus operieren und gut. Ich denke, in Wahrheit ist auch das etwas komplexer. Nun, es war kein Tumor zu sehen, aber Läsionen. 3 Stück. Helle, mit Kontrastmittel angereicherte Flecken. Herde, nennt man sie auch. Das ist auf jeden Fall ein Hinweis auf eine MS. Das macht sie recht wahrscheinlich. Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung in welchen Fällen Läsionen im Hirn sonst noch vorliegen können. Muss ich mal googeln.
An diesem Tag wurde noch keine Diagnose gestellt.
Freitags bekam ich einen Anruf des Krankenhauses. Das Ergebnis der Untersuchung des Nervenwassers lag vor: positive oligoklonale Banden im Liquor.
Dieses Ergebnis, addiert mit den Herden im Gehirn ergab für meine behandelnde Ärztin im Krankenhaus eine eindeutige Diagnose. Multiple Sklerose. Und das, obwohl es mein erster Schub war (rückblickend gab es aber schon erste Anzeichen seit meinem 15ten Lebensjahr). Ich wurde für den folgenden Montag zur stationären Kortison-Stoßtherapie ins Krankenhaus bestellt.
Ich hatte Glück! Von den ersten Symtomen, bis zur Diagnose vergingen gerade mal vier Wochen. Andere laufen zum Teil jahrelang von Arzt zu Arzt bis sie die richtige Diagnose bekommen.

Nach dem Telefonat habe ich kurz geweint. Und beschlossen, übers Wochenende möglichst nicht mehr darüber nachzudenken.
Abends kamen Freunde meiner Eltern zu Besuch. Wir saßen zusammen, und als ich niesen musste herrschte Stille.
“Sagt jetzt niemand mehr »Gesundheit!«, weil es eh nichts mehr bringt?” war meine Reaktion. Ausser mir fand das niemand witzig. Ich muss heute noch lachen,
wenn ich daran denke.

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Verfasst 29. Mai 2015 von yennyver Kategorie Multiple Sklerose

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