Juni 9

… in 20 Jahren nicht erlebt …

Die zweite Biopsie des Kupferkindes. Um vielleicht rauszufinden, was sich auf ihrer Leber tummelt.
Fing alles ganz normal an. Aufnahme, Anamnesegespräch mit einer Ärztin in Ausbildung. Jedes Mal gab es diese Anamnese-Gespräche, obwohl der Arzt, auf dessen Wunsch wir im Krankenhaus waren, immer der gleiche war und ja eigentlich die Vorgeschichte bekannt sein sollte. Und fast immer schleichen sich dann Fehler in die Akten ein. Nichts Gravierendes, aber wenn ich ein Geburtsgewicht von 2060 Gramm angebe, dann sollte das bitte auch in den Akten stehen, und nicht 2600 Gramm. Wenn es keinen Unterschied machen würde, dann bräuchte man mich doch nicht jedes Mal danach zu fragen, oder?! Dann legen des Zugangs und besprechen des Essen-Plans wegen des Wilsons. Verschwendete Zeit diese Gespräche über das Essen, denn es wurde bei der Essensausgabe NIE darauf geachtet, ich habe mich so oft gefragt, weshalb ich meinen Atem auf diese Gespräche verschwende.
Auch in dieser Klink war die Kinderstation in einem alten Gebäude untergebracht, auch hier waren das Badezimmer und die Toilette auf dem Gang. Mütter dazu angehalten die Besuchertoilette zu benutzen. Zweibettzimmer, mit einem Waschbecken und einer Zustellpritsche für die Mama. Klein, aber in Ordnung, für ein Krankenzimmer.
Der weitere Verlauf war wie immer: ab einer bestimmten Zeit nichts mehr essen und trinken. Das Kupferkind war eigentlich ganz entspannt, lag doch die erste Biospie, ohne Probleme, hinter ihr. Auf die Schmerzen an der Punktionsstelle war sie zwar nicht besonders scharf, wusste aber, dass die Untersuchung wichtig ist. Oh man.
Zur Biopsie ging es durch unterirdische Gänge in ein anderes Gebäude. Die Punktion fand in einem kleinen Raum statt, mutete wie ein Büroraum an. Eine Biopsie ist ja auch kein großer Einriff, bei Erwachsenen wird häufig auf eine Narkose verzichtet und unter lokaler Betäubung biopsiert. Das ganze passiert unter Ultraschall, man muss ja sehen was man macht. Soweit das möglich ist. Beim Kuperkind war bekannt, und ich hatte sogar die beiden betiligten Ärzte noch extra darauf hingewiesen, dass die Gallenblase nicht dort liegt, wo sie überlicherweise zu finden ist. Sie liegt weiter in der Mitte des Abdomens. Schon nicht ganz unwichtig, aber man hat mich wohl nicht gehört …
Während der Biopsie habe ich draussen gewartet. Wie gesagt, kein grosser Eingriff, aber nervös ist man trotzdem. Hatte man doch bei der Aufklärung alles mögliche unterschrieben. Also tingelt man hin und her und bewegt sich nie zu weit von der Tür, hinter der das Kupferkind liegt, weg. Und dann geht die Tür auf, und das Kupferkind schreit. Schreit vor Schmerzen. Da anscheinend niemand auf einen solchen Fall vorbereitet war, gab es auch kein schnell zugängliches Schmerzmittel. Krankenhaus hin oder her. Das Bett mit dem Kupferkind wurde schnellstmöglich zurück durch die unterirdischen Gänge zur Kinderstation gefahren. Und ich im Laufschritt hinterher. Auch dann hat es noch eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis ein Tropf mit Novalgin angehangen war (Novalgin sollte übrigens ein Wilson-Patient, laut des Arztes der ihn diagnostiziert hat, nicht bekommen. Wusste aber niemand. Ist gut gegangen.)
Die Schmerzen des Kupferkindes rührten daher, dass man bei der Punktion einen Nerv getroffen hatte, der Schmerzen in der Schulter hervorruft. Nerven kann man bei einer Punktion nicht sehen. Genau diesen zu treffen ist aber selten kommt nicht so häufig vor. Oder wie eine Stationsschwester bemerkte: “Ich bin seit 20 Jahren im Dienst, DAS ist bisher noch nie vorgekommen!”
Von diesen Schmerzen hatte das Kupferkind noch länger etwas. Fühlte sich auch Tage später, lange nach der Entlassung, noch wie ein schlimmer Muskelkater an.
Und die Gallenblase. Die wurde während der Biopsie anpunktiert. Zum Glück ohne weitere Beschwerden für das Kupferkind, außer, dass sie deshalb noch einen Ultraschall über sich ergehen lassen musste, was an der Punktionsstelle sehr schmerzhaft ist. Und mit dem Schulterschmerz den Arm über den Kopf strecken – da hat das Kupferkind gestreikt. Zu recht!